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Serie:
"Bühlertäler(in)
des Monats"
Juli 2009
Bei unserem Kandidaten des Monats Juli handelt es sich, nach einigen Herren der Schöpfung, nun wieder um eine Dame. Sehr viel besser und treffender allerdings passt zu ihr die Bezeichnung "Powerfrau", denn was sie so alles auf die Beine zu stellen vermag, ist nicht gerade alltäglich - und wie sie „ihren Mann“ steht, darüber wollen wir heute berichten.
Marianne Degler, die vor der Heirat Reinschmidt
hieß, ist die Tochter eines Holzhändlers. Ihr Elternhaus steht
auf „der Breitmatt“ im Obertal, genauer gesagt in der Jahnstraße
24. Das Licht der Welt erblickte sie jedoch, wie so viele Kinder Bühlertals
zur damaligen Zeit in den 60er Jahren, im sogenannten „Storchenheim“ im
Untertal. Dieses Gebäude steht noch heute gegenüber dem Seniorenzentrum
und war früher einmal das Bühlertäler Krankenhaus. Das Haus
ist bis heute erhalten geblieben und befindet seit vielen Jahren
in Privatbesitz.
Das Elternhaus von Marianne, sie wohnt übrigens
ihr ganzes Leben schon darin, war auch schon das Elternhaus ihrer Mutter
Edith Reinschmidt, die eine geborene Krämer war. Maria und Josef
Krämer, die Großeltern von Marianne, besser bekannt als
"s’ Krämer Seppels", erbauten dieses Haus, das schließlich 1985
von Mariannes Vater Albin umgebaut und erweitert wurde, und somit sein
heutiges Aussehen erhielt.
Baby Marianne
1962: Edith Reinschmidt und Marianne
Bruder Michael und Marianne
1964: Marianne, Mutter Edith, Bruder Michael vor dem Haus in der Jahnstraße
Marianne, Michael und die kleine Bärbel
An Fastnacht mit Mutter Edith und Indianer Michael
Marianne und Michael bei seiner Erstkommunion
Marianne ist das mittlere von insgesamt drei
Kindern. Mit zur Familie gehören noch der 2 Jahre ältere Bruder
Michael und die 5 Jahre jüngere Schwester Barbara, genannt Bärbel.
Der Vater Albin stammt aus dem Untertal, genauer aus der Liehenbach und
gründete als junger Kaufmann die Holzhandlung Reinschmidt, die heute
von Marianne Degler allein geleitet wird. Der Sitz des Geschäfts
war und ist noch heute in Steinbach. Doch bis dahin war es noch ein längerer
Weg, den wir nun vorstellen möchten.
Wohlbehütet mit den Eltern und Geschwistern
wuchs Marianne auf und besuchte auch die „Kinderschule“ im Obertal, die
es damals nur im Schwesternhaus im Eichwald gab und auch von einer
echten Nonne geleitet wurde. Es gab natürlich auch Erzieherinnen,
die man zur damaligen Zeit jedoch "Kindergärtnerin" nannte und zu
denen man "Tante" sagte. Dort bereits im Kindergarten schloss Marianne
schon Freundschaften, die bis in die heutige Zeit halten.
Einschulung 1967
Nach der Kindergartenzeit besuchte Frau Degler die Schoferschule im Obertal von 1967 bis 1976. Danach ging es in die Wirtschaftsschule in Bühl, die heutige Handelslehranstalt, um die mittlere Reife nachzuholen. Als diese 1981 abgeschlossen war, begann ihre Lehre beim Vater im elterlichen Betrieb, jener Holzhandlung in der sie nun ihr ganzes Arbeitsleben mit dem Vater zusammen gearbeitet hat. Doch zuvor sollte noch ein schwerer Schicksalsschlag das Leben der Familie Reinschmidt verändern.
Vater Albin, Marianne, Michael und die viel zu früh verstorberne
Mutter Edith
Im Jahre 1972 verstarb ihre Mutter Edith
nach einer längeren schweren Krankheit im Alter von nur 38 Jahren.
Marianne war 11 , der Bruder 13 und die kleine Schwester erst 5 Jahre alt.
So kümmerte sich der Vater alleine um die Kinder, anfänglich
halfen Verwandte mit, und später stellte der Vater eine Haushälterin
ein, die viele Jahre bei der Familie blieb.
Die Zeit sei ohne die Mutter zuerst sehr
schwer gewesen, so berichtet uns Frau Degler. Sie übernahm selbst
erst 11 Jahre alt viele Pflichten und war für ihre Geschwister da,
besonders für die kleine Bärbel. Aber die Familie habe fest zusammen
gehalten, was über die Zeit hinweg half.
Nach der Schulzeit ging es am Wochenende
zum Tanz in die Disco, es waren die legendären 70er Jahre mit Plateauschuhen
und Schlaghosen, mit Abba und BCR. Beliebte Tanzlokale und Jugendtreffs
seien das Number One in Bühl und der Pflug in Kartung gewesen. Mit
dem Mofa fuhr man dorthin.
Marianne, Freundin Daniele und Elvira 1982
Ihren Mann jedoch lernte sie nicht bei den
Tanzveranstaltungen kennen. sondern durch ihre langjährige Freundin
Elvira,
genannt Elli. Und das war so: In Bühl auf dem Johannesplatz war das
legendäre Restaurant Chez Fausto, kurz Fausto genannt. In jenem Lokal
traf man alle möglichen Leute. So war eines Abends auch Bernd Degler
wieder einmal beim Fausto, um einen seiner Brüder zu treffen, der
dort arbeitete. Elli kannte Bernd vom Roten Kreuz in Bühlertal her.
Und so gesellte sich Bernd zu ihnen und bald hatte es zwischen Marianne
und ihm, wie man so schön sagt, "gefunkt".
Frisch verliebt ! Bernd Degler und Marianne
Nach 6 Jahren dann wurde 1987 geheiratet
und zwar in der Obertäler Liebfrauenkirche. Die Trauung zelebrierte
aber nicht Pfarrer Jäger, sondern ein Verwandter ihres Mannes Bernd.
Es handelte sich um Pater Burkard, den KSC-Pater. Weil er sich ein Spiel
zu Ende ansehen wollte, kam er auch prompt zu spät zur Trauung, was
nach anfänglichem Bangen dann allgemeine Heiterkeit bei den Hochzeitsgästen
auslöste.
Auf dem Weg zur Trauung geht es durch den Eichwald
Marianne vor dem Rathaus
Er kam mit Verspätung - Pater Burkard mit Marianne
Marianne erzählt uns, dass sie früher, bevor ihre Kinder auf die Welt kamen, gerne weit entfernte Länder besucht- und viel fotografiert hätten, was sie auch heute noch mit großer Leidenschaft tut. Auch Schwimmen und Lesen gehören zu ihren Hobbys und nicht zu vergessen, schon mehr als 27 Jahre spielt sie mit ihrer alten Schulfreundin Elli Karten .
Unterwegs in fremden Ländern 1982
In Tunesien
Elvira und Marianne beim Kartenspielen
Inzwischen ist sie selbst Mutter von 2 Söhnen,
Niklas ist 15 und Julian ist 11. Gemeinsam geht man auf Wanderungen, fährt
Rad oder im Winter Ski. Meist ist man gerne mit den Kindern in der Natur,
sei es im bayrischen Wald oder hier im heimischen Schwarzwald. Auch verschiedene
Inseln zu erkunden, macht ihrer Familie Spaß, so schildert uns Marianne.
Außerdem habe sie einen großen Freundeskreis, mit dem sie und
ihre Familie sich oft trifft, man feiert gerne und besucht auch zusammen
kulturelle Veranstaltungen, wie Straßenfeste im Sommer, Diavorträge,
Theaterabende, geht ins Kino oder organisiert gemeinsame Wanderungen, was
allen immer sehr viel Spaß macht.
Mutter Marianne mit den Söhnen Niklas und Julian
Familie Degler unterwegs
Doch nun einen Sprung zurück vom Familienleben
ins Leben in einer Holzhandlung. Marianne schloss ihre Lehre bei Vater
Albin 1981 ab und konnte sich also fortan Bürokauffrau nennen. Doch
das Arbeiten im eigenen Geschäft ist schon etwas anderes, als bei
jemand angestellt zu sein - und zollt in jeder Hinsicht seinen Tribut.
Ihr Vater, der zuvor allein in seiner Holzhandlung gearbeitet hatte, bekam nun durch seine Tochter eine zweite Kraft, die sich nun nicht, wie man meinen könnte nur ums Büro kümmerte, sondern bei allen anfallenden Arbeiten ihren „Mann“ stand. So sei sie von Anfang an bei der Beratung und dem Verkauf von Holz aller Art, von Türen, Parkett, Laminat und diversen Baustoffen und was sonst noch alles zum Verkauf bereit steht draußen beim Kunden im Lager gewesen.
Im Lager in Steinbach
Sie kennt sich aus, was Farben und Lasuren
angeht, fährt Stapler, ist im Büro, am Telefon und erledigt Post,
verschickt natürlich auch Rechnungen und das schon seit 31 Jahren.
Krank, so erzählt sie uns, sei sie nie groß gewesen, vielleicht
mal eine Erkältung, ansonsten war sie immer für den Familienbetrieb
da . Auch als sich Nachwuchs angekündigt hatte, sei sie bis zum letzten
Tag im Geschäft beim Vater gewesen. Eine Selbstverständlichkeit,
wie sie betont, und nicht viel hätte gefehlt, und einer der Buben
hätte das Licht der Welt in der Holzhandlung erblickt.
Mit der Familie unterwegs
Jahre später als die Kinder etwas größer
und Ferien angesagt waren, hat sie die Jungs oft mit in die Firma genommen,
und sie dort beaufsichtigt. Und ihr Mann Bernd hat sie natürlich auch
tatkräftig unterstützt, wenn es um die Familie oder den Haushalt
ging. Mit einem eigenen Geschäft ist es nur mit Teamarbeit möglich,
alles unter einen Hut zu bringen.
Doch wer nun denkt, die Arbeit in der Holzhandlung
sei alles gewesen, der wird nun staunen, dass Marianne in der Mittagspause
noch täglich gekocht hat, früher auch für den Vater. So
wird einem schnell klar, dass man bei Familie, Haushalt und eigenem
Geschäft jede Menge Energie und Power braucht.
Seit der Vater im Jahre 2007 erkrankte,
führt sie nun die Holzhandlung alleine. Doch der Vater kommt seit
seiner Genesung jeden Morgen ins Geschäft, sehe nach „dem Rechten“,
telefoniere mit alten Kunden und Händlern und fahre ein bisschen mit
dem Fahrrad. Aus dem aktuellen Geschäft musste er sich aus gesundheitlichen
Gründen jedoch zurückziehen. Aber er weiß den Betrieb bei
seiner Tochter natürlich in guten Händen, die nach so vielen
Jahren in der Firma mit Leib und Seele auch eine echte „Holzhändlerin“
geworden ist.
Zum Abschluss fragen wir auch sie nach einem
Lebensmotto und sie meint: Sie lebe gerne, weil sie umgeben sei von einer
großen und lustigen Familie, die gerne feiert, lacht und fröhlich
ist.
Für Marianne -und natürlich ihre
Familie- alles Gute für die Zukunft und noch viele erfolgreiche Jahre
im Familienbetrieb und vielen Dank für ihre Einblicke .
Nach dem "Interview" bei Elvira
Vielen Dank an Marianne Degler und
Elvi !